Online-Aufstellung

Holger Kiefer erklärt hier die Voraussetzungen und den Ablauf für Online Aufstellungen. Eine systemische Online-Aufstellung – etwa bei Spannungen zwischen Parteiflügeln, Vorstand und Basis oder rivalisierenden Verbandsebenen – unterscheidet sich im Kern nicht in den Wirkprinzipien von einer Präsenzaufstellung, wohl aber im Setting, den Tools und der Moderation.

Gerade im politischen oder verbandlichen Kontext, wo Dynamiken oft von Machtfragen, Loyalitätskonflikten, ideologischen Gräben und emotional geladenen Themen geprägt sind, bietet das digitale Setting sogar einen Vorteil: Die räumliche Distanz wirkt oft deeskalierend und hilft den Beteiligten, von einer reinen Reiz-Reaktions-Ebene in eine beobachtende, analytische Haltung zu kommen.

1. Vorbereitende Klärung & Setting

Bevor das digitale Aufstellungsbrett betreten wird, braucht es eine saubere Vorklärung:

  • Format wählen:
    • Einzelsetting / Beratung: Ein/e Funktionsträger/in stellt das System für sich auf (z. B. Parteivorsitzende/r blickt auf Konflikt zwischen den Kreisverbänden).
    • Gruppensetting / Mediation: Repräsentanten (neutrale Personen) oder Betroffene selbst nehmen teil.
  • Zielkontrakt: Geht es um Ressourcenfindung, Strukturklärung (Wer hat welche Rolle/Macht?) oder das Erfahren von verborgenen Dynamiken (z. B. „Unbeschäftigte Vergangenheiten“, verletzte Prinzipien)?

2. Technische & Analoge Tools

Für Online-Aufstellungen stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

Methode / ToolFunktionsweiseVorteil im Verbandskonflikt
Digitale Systembretter
(z.B. Systemic Online Board, Miro, Mural)
Figuren oder Kärtchen werden auf einer virtuellen Fläche bewegt. Blickrichtungen, Abstände und Hierarchien lassen sich durch Pfeile/Symbolik darstellen.Hohe Übersicht. Komplexe Verbandsstrukturen (Bundes-, Landes-, Kreisebene, Arbeitskreise) lassen sich übersichtlich gliedern.
Systemisches Kleingerät (Kamera)Der Anleitende oder Klient nutzt physische Holzfiguren/Steine auf einem echten Brett und streamt dies via Dokumentenkamera.Geringe Hürde. Beteiligte müssen keine digitale Software bedienen, sondern schauen nur zu und leiten verbal an.
Videokonferenz & Repräsentanten
(z.B. Zoom, Teams)
Echte Menschen im Online-Raum dienen als Repräsentanten. Blickrichtungen werden über Kamerafokus oder Namenszusätze gesteuert.Hohe phänomenologische Tiefe. Nimmt die emotionalen Spannungen und körperlichen Resonanzen („Wahrnehmung“) stärker mit auf.

3. Der Ablauf einer Online-Parteiorganisationsaufstellung

1.1. Genogramm / Organigramm & Hypothesenbildung:10–15 Min.

Das relevant wirkende System wird kartiert. Im Parteienkonflikt bedeutet das oft:

  • Relevante Rollen (nicht nur Personen): z. B. Parteispitze, Flügel A, Flügel B, Basis, Wählerschaft, Satzung/Grundsatzprogramm.
  • Auch „unsichtbare“ Elemente: z. B. Gründungsinhalte, frühere gescheiterte Spitzenkandidaten, Altlasten.

2.2. Positionierung auf dem digitalen Brett:15–20 Min.

Der/die Aufstellende zieht die Symbole für die Elemente auf das Board und richtet sie aus:

  • Abstände: Wer steht wem nah? Wer steht am Rand?
  • Blickrichtungen: Schauen Flügel A und B sich an oder blicken beide am gemeinsamen Ziel/Satzung vorbei?
  • Hierarchie/Ordnung: Steht die Basis weiter „oben“ als die Führung?

3.3. Erkunden der Phänomene & Befragung:25–30 Min.

  • Bei Repräsentanten: Die Moderatorin befragt die Personen nach ihren Impulsen, Wahrnehmungen und Körpergefühlen im Raum.
  • Am virtuellen Brett: Der/die Klient/in betrachtet das Bild aus der Vogelperspektive. Fragen zur Prozessbegleitung:
    • „Was passiert mit dem Element ‚Parteilogik‘, wenn Flügel A näher an ‚Medien‘ rückt?“
    • „Gibt es ein Element, das komplett isoliert steht?“

4.4. Prozessarbeit & Lösungsbild:20–30 Min.

Umpositionieren der Figuren unter Berücksichtigung systemischer Grundprinzipien:

  • Anerkennung von Zugehörigkeit: Wird eine Strömung/Gruppe im Verband totgeschwiegen oder ausgegrenzt?
  • Ordnung nach Funktion/Zeit: Hat die Führung den Raum, den sie braucht, oder übernehmen untergeordnete Gremien Führung ohne Mandat?
  • Ausgleich von Geben und Nehmen: Fühlen sich Ehrenamtliche vom Hauptamt übergangen?

4. Typische Dynamiken & Besonderheiten im politischen Raum

Bei Partei- und Verbandsaufstellungen tauchen häufig spezifische Muster auf, die online sichtbar gemacht werden können:

  • Macht vs. Satzung: Oft zeigt sich im Raumbild, dass informelle Machtzentren die formelle Satzungsstruktur völlig überlagern. Das Verschieben auf die „satzungsgemäße Ordnung“ setzt oft Entlastung frei.
  • Das Erbe der Gründer: Parteien und Verbände tragen oft unbewusste Loyalitäten zu Gründerpersönlichkeiten oder historischen Spaltungen in sich. Ein Symbol für „Die Gründungsidentität“ bringt oft Klarheit darüber, wovor neue Mitglieder oder Strömungen unbewusst Respekt vermissen lassen.
  • Verwechselung von Rolle und Person: Im politischen Streit wird Konflikt schnell persönlich. Die saubere Trennung auf dem Board („Du stehst hier als ‚Landesvorsitzender‘, nicht als ‚Erich'“) hilft den Beteiligten, Entlastung von persönlicher Schuld zu erfahren.

Fazit & Erfolgsfaktor für die Moderation:

Das digitale Format verlangt eine präzise Sprache und etwas mehr Entschleunigung. Da feine Körpersignale durch die Kamera schwerer lesbar sind als im Raum, hilft es, Anweisungen und Befragungen sehr konkret zu formulieren (z. B. „Wenn du auf das Feld ‚Parteitagsbeschluss‘ schaust – wird dein Impuls eher wegzusehen oder näher heranzutreten?“).

Honorare B2B / Business- & Organisationskontext (Unternehmen, Verbände, Parteien)

Im geschäftlichen Umfeld handelt es sich in der Regel um hochspezialisierte Management-Beratung. Hier fließen Vorgespräche, Systemanalyse und Nachbereitung mit ein:

  • Organisationsaufstellung für Teams / Gremien / Parteivorstände: 2.500 € als Tages-Workshop oder Beratungspaket (inkl. Vor- und Nachbereitung der systemischen Analyse). Je nach Absprache

Honorare Teilnahme mit eigenem Anliegen / eigener Aufstellung

Einzelberatung für Führungskräfte/Vorstände (online): 450 € pro Session (meist 90–120 Min.).